
DAS HUMUSREGAL
Im Humusregal werden Qualität und Quantität endlich beste Freunde!
Unsere geliebte „kontrolliert sauerstoffversorgte Kompostierung“ (KSK) ist bei uns für die Qualität unserer Humusdünger verantwortlich. Durch ihre kleinen Mieten ist sie allerdings sehr flächen- und arbeitsintensiv.
Da wir Trockentoiletten und Humusdünger gesellschaftstauglich machen wollen, ist das ein Problem für die Skalierbarkeit.
Die Lösung: Wir stapeln hoch hinaus!
Mit dem Humusregal können wir auf weniger Fläche MEHR und NOCH BESSEREN Humusdünger herstellen.
Finizio arbeitet bereits seit 3,5 Jahren an der Vision & Entwicklung eines effizienten Regalsystems. Innerhalb des zirkulierBAR-Projektes wurde dieses als Teil einer Forschungsanlage nun endlich Realität! Am 16.10.2023 wurde die Forschungsanlage feierlich eröffnet und das Humusregal wird zeitnah in Betrieb genommen.
Weitere Elemente der neuen Anlage sind ein neuer Hygienisierungscontainer für die Vorbereitung der Biomasse, sowie eine Urinaufbereitungsanlage. Die Kreiswerke Barnim übernahmen die Bauherrschaft der Forschungsanlage und erschlossen eigens dafür auf ihrem Recyclinghof in Eberswalde ca. 1000 Quadratmeter neue Fläche. Technologielieferant für die Urinaufbereitungsanlage sind unsere Kolleg:innen von Vuna-Nexus. Das Humusregal entwickelte Florian Augustin von Finizio in Unterstützung mit Kollegen.
Die Anlage kann jährlich ca. 200 Kubikmeter Feststoffe und 100 Kubikmeter Urin, getrennt gesammelt aus Trockentoiletten, zu Forschungs- und Versuchszwecken aufbereiten. Der Testbetrieb mit wissenschaftlicher Begleitforschung wird sich über die Jahre 2023 und 2024 erstrecken. Im Anschluss wird Finizio den Betrieb der gesamten Anlage natürlich fortführen. Und um die Mengen der anfallenden Feststoffe verarbeiten zu können, bleibt die Pilotanlage (2019) von Finizio zur Verwertung bis auf Weiteres parallel bestehen.
Entwickelt von:
James Barker (Finizio), Camillo Huck (Finizio), Florian Augustin (Finizio),
Uwe Peter (Richert Industrietechnik), Urs Hildebrandt (Expertise Qualitätskompost), Andi Fuchs (Gujer Wendemaschinen), Bernd Heidenreich (Statik), Andreas Thiess (Expertise Kranbau), Felix Kupper (Betonformenbau), Anatoly Sumin (Betonformenbau), Alexandra Walter (Umetec Metallbau), Ralf Pelz (KEB Motoren), Sven Kipka (DEMAG Kranbau), Franz Sigl (Hydraulik und Maschinen
Das Rennen um Kubikmeter
Ins Rennen gehen heute die kleinen „KSK Superhaufen“, mit 2 Meter Breite gegen die beliebten „FC KompostoNormalo“ mit 6 Meter breiten Mieten. Laut Statistik erwirtschaften die niedlichen kleinen Superhaufen nur ein Drittel des Ertrags (0,5 zu 1,5 m³/m²). Dennoch sind sie fest davon überzeugt, gegen die Normalos anstinken zu können. Heimspiel für die Normalos: Die Mannschaft der kleinen Haufen stellt sich auf dem 6 Meter breiten Spielfeld auf, und was sehen wir da? Während bei den Normalos nur ein einziger großer Haufen träge den Platz ausfüllt, platzieren sich einfach 2 „Superhaufen“ nebeneinander, und das mit 2 Metern Abstand. Die kleinen Haufen holen also auf. Dennoch liegen die Normalos mit 1,5 zu 1m³/m² Ertrag vorn. Die Spannung beim Stechen steigt.
Wieder auf dem 6 Meter breiten Spielfeld: Die kleinen Haufen bringen nun das Humusregal ins Spiel. Es geht los. Die Normalos bleiben bei ihren 1,5 m³/m². Doch was passiert nun bei den kleinen Superhaufen? Sie platzieren zwei (drei Meter breite) Regale – ohne Abstand nebeneinander und stapeln ihre Mieten einfach in 3 Etagen! Unglaublich, unsere kleinen Helden sind einfach über sich hinausgewachsen! Aus den Reihen der „Normalos“ kommen schon Buh-Rufe und „Fauuul“. Doch das Spiel ist vorbei. Die kleinen Superhaufen mit ihrem Humusregal haben das Rennen ganz klar für sich gewonnen: mit 3 zu 1,5 Kubikmetern je laufendem Meter.
Warum brauchen Finizio & die Menschheit das Humusregal?
„Mit dem Humusregal werden wir im industriellen Maßstab Ton-Humus-Komplexe produzieren, die Kohlenstoff aus der Atmosphäre im Boden speichern und gleichzeitig dessen Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit wiederherstellen. Humusaufbau ist eine unverzichtbare Chance, die der Menschheit bleibt, um das 1,5°-Ziel zu erreichen und gleichzeitig unser Netz und doppelter Boden, falls wir es verfehlen. Ein humusreicher Acker kann Starkregen und Dürre viel besser verkraften als Boden, der durch mineralische Düngemittel und Monokultur degradiert wird.“
Florian Augustin
Gesamte Rede
Liebe Freunde, sehr geehrte Damen und Herren,
„It always seems impossible until it's done.“ Alles scheint unmöglich, bis es geschafft ist.
Dieses Zitat von Nelson Mandela beschreibt die zurückliegende und auch die noch bevorstehende Entwicklung des schwarz-silbernen Bauwerks hinter uns auf sehr zutreffende Weise.
Das Humusregal ist das Resultat von dreieinhalb Jahren Entwicklungsarbeit und 5 sehr sportlichen Wochen der Endmontage. In diesem Regalsystem sollen Inhalte aus Trockentoiletten in einem perfekt optimierten Kompostierungsverfahren innerhalb von wenigen Wochen zu einem qualitätsgesicherten Humusdünger veredelt werden. Ziel ist es, den Flächen- und den Energieverbrauch des Verfahrens drastisch zu reduzieren. Außerdem wird eine Teilautomatisierung der Maschinen für mehr Wirtschaftlichkeit sorgen.
Das Humusregal ist inspiriert von den gigantischen Schaufelradbaggern der Braunkohle-Tagebauten der Lausitz und des Rheinlands, die ich mir als Student bei Klima-Protestaktionen aus unmittelbarer Nähe angeschaut habe. Damals habe ich gegen das vermeintliche Schlechte in der Welt gekämpft. Heute bin ich überzeugt, dass wir unseren Schaffensgeist nutzen können, um nicht weniger schlecht, sondern mehr gut zu machen.
Stellen Sie sich ein Schaufelrad vor, das der Erde keine Rohstoffe entreißt, sondern fruchtbare Erde zurückgibt. Das Rad der Ausbeutung soll sich nicht langsamer drehen, sondern die Richtung wechseln.
Mit dem Humusregal werden wir im industriellen Maßstab Ton-Humus-Komplexe produzieren, die CO₂ aus der Atmosphäre im Boden speichern und gleichzeitig dessen Wasser- und Nährstoffspeicherfähigkeit wiederherstellen. Humusaufbau ist eine unverzichtbare Chance, die der Menschheit bleibt, um das 1,5°-Ziel zu erreichen und gleichzeitig unser Netz und doppelter Boden, falls wir es verfehlen. Ein humusreicher Acker kann Starkregen und Dürre viel besser verkraften als Boden, der durch mineralische Düngemittel und Monokultur degradiert wird.
Wir sind dabei, zukunftsweisende Toiletten zu entwickeln, die denselben Komfort und Hygiene wie Wasserspültoiletten bieten und viele Herausforderungen der Wasser-, Energie- und Ressourcenknappheit in den Griff kriegen. In Deutschland gibt es ca. 10.000 Kläranlagen, die jährlich ca. 4.400 Gigawattstunden Strom verbrauchen und Klärschlamm produzieren, der verbrannt werden muss, weil er Schwermetalle aus Gewerbe-, Haushalts- und Straßenabwässern enthält.
Wenn wir unsere inneren Werte an der Quelle und ohne Verdünnung durch Wasser sammeln, dann ermöglichen wir eine Transformation vom energiezehrenden Klärwerk zum ressourcenaufbauenden Humuswerk.
Technologisch sind wir in den Startlöchern, die politischen Hürden aber zu hoch, um ausreichend Anlauf nehmen zu können.
Kurzfristig brauchen wir hier im Landkreis Barnim einen offiziell anerkannten Status als Reallabor, damit es nicht wieder 3 Jahre dauert, um astrein untersuchten Humusdünger zu Forschungs- und Versuchszwecken auf einem Feldversuch auszubringen.
Langfristig braucht es eine Zulassung von Inhalten aus Trockentoiletten als Ausgangsstoff für Düngemittel. Unsere Vorschläge für eine zuverlässige Qualitätssicherung und strengen Verbraucherschutz haben wir mit der DIN SPEC 91421 bereits veröffentlicht.
Knapp 3 Jahre hast du, lieber Michael, unsere Pilotanlage besucht und wir standen gemeinsam vor der Vision des Humusregals. Dein Besuch damals hat mir Hoffnung gemacht, weil ich selten einen Politiker erlebt habe, der sich so detailliert für dieses Thema interessiert hat. Heute leitet deine Partei genau die Ministerien, die für die notwendigen Reformen des Abfall- und Düngerechts zuständig sind, die eine ordnungsgemäße Schließung des menschlichen Nährstoffkreislaufs auch auf rechtlicher Ebene möglich machen würden.
Mein großer Dank gilt den Kreiswerken Barnim, der Stadt Eberswalde, dem Landkreis Barnim und dem Land Brandenburg, die dieses weltweit einzigartige und wegweisende Leuchtturmprojekt mit viel Mut, Innovations- und Investitionsbereitschaft möglich gemacht haben. Meine Erwartung zum dringenden Handeln richtet sich an die Bundespolitik. Wer Kreislaufwirtschaft predigt, sollte bei der Umsetzung auch konstruktiv mitwirken. Lieber Michael, wir hoffen, dass du deine Kolleg:innen mit deinem Enthusiasmus anstecken kannst und mit uns gemeinsam das Rad der Regeneration zum Rollen bringst.*
Ich freue mich, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind und diesen historischen Meilenstein gemeinsam mit uns feiern.
Vielen Dank und
Nach uns der Humus!
Innovationen & Funktionen
Nach der Hitzekur im Hygienisierungscontainer wird das hygienisierte Material mit hochwertigen Zuschlagstoffen ins Regal befördert. Hier verwandelt es sich bei optimaler Prozesssicherheit durch die kontrolliert sauerstoffversorgte Kompostierung innerhalb von 6 bis maximal 8 Wochen zu hochwertigem Humusdünger mit Ton-Humus-Komplexen.
Die Vorteile, die das Humusregal zur Behandlung der Feststoffe bietet, sind bahnbrechend!
Überzeug dich selbst:
Flächeneffizienz
Da wir vorhaben, ganz Berlin-Brandenburg und irgendwann auch ganz Deutschland mit Toiletten und Humusdünger zu beglücken, bräuchten unsere Recyclinganlagen mit den kleinen Mieten hektarweise Land. Das ist für uns keine Option. Gleichzeitig kommen einfach „größere Haufen“ für uns auch nicht in Frage, da wir die hohe Qualität unseres Humusdüngers nur durch die kontrolliert sauerstoffversorgte Kompostierung (KSK) mit maximal zwei Meter breiten Mieten erreichen.
Mit dem Humusregal ist es nun möglich, bis zu drei Etagen über- und beliebig viele Regale nebeneinander zu errichten. Anders als bei Kompostmieten auf dem Boden können die Mieten in Regalen dicht an dicht liegen, da die Regalböden aus Beton durch eine Aufkantung das Material vor einer Vermischung hindern. Dazu wirken sich mehrere Regale nebeneinander positiv auf die Stabilität aus.
Wir wollen Boden schützen, statt ihn zu versiegeln. Deshalb stehen die Stahlrahmen des Regals auf betonierten Punktfundamenten und die Regalbodenplatten schweben über dem Erdboden. Eine großflächige Asphaltierung ist nicht mehr notwendig. (Auf unserer Forschungsanlage ist die Fläche unter dem Regal noch asphaltiert, da bisher kein Beweis zur Dichtigkeit des Systems erbracht wurde.) In der Zukunft können Humusregale also auf „grüner Wiese“ errichtet werden und brauchen lediglich an den Regal-Stirnseiten eine Flächenversiegelung für das Rangieren von Maschinen und Containern.
Arbeitseffizienz durch Teilautomatisierung
Die Wendemaschine spielt bei der kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung eine der wichtigsten Rollen. An Schienen im Regal aufgehängt kann sie ihren Job von nun an teilautomatisch verrichten. Während unsere Wendemaschine Tina the Turner darauf angewiesen ist, dass sich jemand auf ihren Rücken schwingt und sie über die Kompostmieten fährt, wird die Wendemaschine im Humusregal bequem über verschiedene Programme gesteuert. Zusätzlich wird den Mieten von unten durch eine automatische Aktivbelüftung in den Betonplatten noch mehr Sauerstoff zugeführt. Im nächsten Entwicklungsschritt wollen wir erreichen, dass die Wendemaschine vollautomatisch mit Sensoren die Mieten erkennen und das richtige Programm abfahren kann. Auf diese Weise kann es sich in Zukunft sogar als wirtschaftlich erweisen, die Mieten in den ersten drei bis vier Tagen zweimal täglich zu wenden, was sich enorm auf die Qualität des Kompostierungsprozesses auswirkt.
Ein zu großen Teilen selbst entwickelter Greifer ist ebenfalls in den Etagen auf den Schienen unterwegs: Er hat die Aufgabe, die Biomasse bei Prozessbeginn aufzuschichten und bei Prozessende den Humusdünger aus der Regaletage wieder herauszubefördern und an die Siebmaschine zu übergeben. Ohne den Greifarm müssten diese Schritte von einem Radlader übernommen werden, was spätestens in den oberen Etagen nicht möglich wäre.

Energieeffizienz
Auf Schienen ist die Fortbewegung der Maschinen (Greifer und Wendemaschine) deutlich energieeffizienter als bei selbstfahrenden Maschinen auf Beton.
Hier ein Beispiel:
Der Radlader hat ein Eigengewicht von ca. 5 Tonnen und bewegt in seiner Schaufel max. 2 Tonnen Nutzlast. Dafür braucht er einen 55-Kilowatt-Dieselmotor. Der Greifer im Humusregal hat ein Eigengewicht von ca. 1,2 Tonnen, um das gleiche Materialgewicht zu befördern. Durch die geringstmögliche Reibung von Stahlrädern auf Stahlschiene sowie einer perfekt waagerechten Kranbahn braucht der Greifer allerdings lediglich 0,35 Kilowatt elektrische Leistung für die Vor- und Rückwärtsbewegung im Regal. Der Greifarm spart also mehr als 99 % Energie.
Das Gleiche gilt für die Wendemaschine. Auch sie hat viel weniger Maschinengewicht und Leistungsbedarf für die Fortbewegung. Außerdem wird durch die Automatisierung und den Verzicht auf Personal eine langsame Fahrgeschwindigkeit wirtschaftlich möglich. Dadurch muss die Wendemaschine nicht durch die Masse hindurch gewürgt werden, sondern kann mit viel geringerer Motorleistung ganz entspannt ihre Arbeit verrichten und verbraucht noch weniger Energie.
Prozesssicherheit
Neben der Flächen-, Arbeits- und Energieeffizienz kann im Humusregal gleichzeitig die Prozesssicherheit gesteigert werden.
Das Regal wird durch Rollos an den Außenseiten zu einem witterungsgeschützten Raum, in dem das Austrocknen der Mieten vermieden wird, wie auch das Ausschwemmen durch Regen. So haben die Nährstoffe die Chance, sich zu unauswaschbaren Ton-Humus-Komplexen zu verbinden. Die Bodenplatten sind für eine perfekte Entwässerung in einer leichten Schräglage angebracht und verhindern Staunässe und Fäulnis am Boden der Miete. Sobald der CO₂-Gehalt im Mietenkern 11 % übersteigt, wird das Material gewendet. Durch die (Teil-)Automatisierung der Wendemaschine ist dafür mehrmaliges Wenden am Tag nun möglich. Der Rotor der Wendemaschine kann millimetergenau an den Betonboden justiert werden, sodass kein Teppich an „ungewendetem Material“ am Mietenboden haften bleibt. Die einzelnen Mieten sind durch separate Betonböden mit Aufkantung räumlich voneinander getrennt, sodass sich unterschiedliche Mieten, die im Labor geprüft und meist zu unterschiedlichen Zeitpunkten angesetzt wurden, nicht vermischen.


Weitere Effekte
Um eine Kompostmiete aufzusetzen, sie zu wenden und von A nach B zu befördern, müssen Radlader und Wendemaschine normalerweise viel Strecke zurücklegen. Dabei kommt es unweigerlich zu Reifenabrieb, was wiederum bedeutet: Mikroplastik und Schwermetalle gelangen in die Umwelt. Wenn es einen Ort gibt, an dem wir gerne darauf verzichten wollen, dann ist das unser Humusdünger. Wo keine Reifen sind, kann auch kein Reifenabrieb entstehen. So wie durch unsere Schienenführung im Humusregal. Außerdem liegen die Kompostmieten nicht auf dem befahrenen Boden und sind viel weniger dem Risiko ausgesetzt, diese oder andere schädlichen Stoffe aufzunehmen.
Sämtliche Maschinen auf der Schiene sind komplett elektrifizierbar und können also mit grünem Strom betrieben werden. Zudem können durch die Automatisierung die energieintensiven Wendevorgänge in naher Zukunft zwischen 1 und 4 Uhr nachts stattfinden, wenn im Stromnetz ein Überschuss an elektrischer Leistung vorhanden ist.
FAQ
Der Unterschied zwischen Finizios Pilotanlage & zirkulierBARs Forschungsanlage?
Finizio ist zirkulierBAR und zirkulierBAR ist Finizio.
Aber Finizios Pilotanlage ist nicht die Forschungsanlage von zirkulierBAR.
Finden wir auch verwirrend.
Also nochmal:
Unsere Pilotanlage wurde 2019 errichtet und war bis 2023 die deutschlandweit erste (offiziell genehmigte) Anlage zum Recycling von Inhalten aus Trockentoiletten. Bestehend aus dem Hyco, Kompostmieten auf dem Boden und Wendemaschine Tina the Turner waren wir bislang also auf die Feststoffe spezialisiert.
Zu der laufenden Pilotanlage kam nun am 16.10.2023 die Inbetriebnahme der neuen Forschungsanlage von zirkulierBAR, neben der Finizio-Anlage, hinzu. Die Anlagen liegen tatsächlich auch räumlich nebeneinander. Auf dieser Anlage wird nun auch Urin zu Recyclingdünger aufbereitet. Die neue Urinaufbereitungsanlage verwendet die Technologie von Vuna-Nexus, welche von zirkulierBAR auf der Forschungsanlage weiterentwickelt wird. Die Forschungsanlage verfügt ebenfalls über einen Hyco. Im Gegensatz zur Pilotanlage liegen allerdings nicht mehrere Kompostmieten nebeneinander, sondern für Forschungszwecke eine einzelne Miete in einer (Regal)Etage. Dieses Humusregal dient der Forschung zur Skalierung, Optimierung und Automatisierung der „kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung“.
Werden beide Anlagen (Pilot und Forschung) zusammen gemeint, sprechen wir von der Recyclinganlage.
Die Forschungsanlage wird seit dem erfolgreichen Abschluss von zirkulierBAR 2024 von Finizio und den Kreiswerken Barnim weiterbetrieben.
Pressemitteilung der Eröffnung 16.10.2023
PRESSEMITTEILUNG
KWB – zirkulierBAR | 16.10.2023
Offizielle Inbetriebnahme der ersten Forschungsanlage in Deutschland zur Herstellung von qualitätsgesicherten Recyclingdüngern aus Inhalten von Trockentoiletten.
Eberswalde, 16.10.2023 – Im Rahmen des Forschungsprojekts zirkulierBAR wird heute (13:30 Uhr) auf dem Gelände der Kreiswerke Barnim GmbH in Eberswalde eine Urinaufbereitungsanlage sowie ein Humusregal zur Verwertung von Inhalten aus Trockentoiletten feierlich eröffnet. Damit ist das zirkulierBAR-Reallabor in Eberswalde komplett. Die Fertigstellung ist ein wichtiger Meilenstein für Forschung und Praxis im Bereich der regionalen Kreislaufwirtschaft.
Zur Eröffnung mit hochrangigen Gästen von lokaler, kommunaler, Landes-, Bundes- und EU-Ebene sprechen Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und Mitglied des Deutschen Bundestages, Tobias Dünow, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Dr. Wolf Junker, Leiter des Referates 726 – Ressourcen, Kreislaufwirtschaft; Geoforschung im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie Daniel Kurth, Landrat des Landkreises Barnim, Götz Herrmann, Bürgermeister der Kreisstadt Eberswalde, sowie Christian Mehnert, Geschäftsführer der Kreiswerke Barnim GmbH.
Michael Kellner, Parlamentarischer Staatssekretär: „Ich freue mich ganz besonders über die Eröffnung dieser Forschungsanlage. Im Rahmen der Fortschreibung der Rohstoffstrategie haben wir die Kreislaufwirtschaft als eine zentrale Säule aufgenommen. Diese Anlage zeigt, wie innovativ und praxisnah Kreislaufwirtschaft sein kann und dass Kreislaufwirtschaft auf den unterschiedlichsten Ebenen funktioniert. Ich wünsche dem Projekt großen Erfolg, damit Forschung und Erprobung, wie sie in den nächsten Jahren im Reallabor stattfinden, in die Praxis übernommen werden. Eberswalde und Barnim sind schon jetzt eine Vordenkerregion in Sachen Kreislaufwirtschaft. Auf dem Gelände der Kreiswerke wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wie wasser- und ressourcenschonender Recyclingdünger für die Landwirtschaft hergestellt werden kann.
Tobias Dünow, Wissenschaftsstaatsekretär: „Kreislaufwirtschaft statt linearer Ressourcenverbrauch – das ist das Gebot der Stunde, egal ob es um Energie, Wasser, Nährstoffe oder sonstige Rohstoffe unserer Erde geht. Mit dem Recyclingdünger von zirkulierBAR kann man die hohe Produktivität in der Landwirtschaft beibehalten und zugleich Energie, Wasser und wertvolle Rohstoffe einsparen. Dass es möglich ist, wissen wir – aber wie genau, das wird ab heute hier in Eberswalde, in der deutschlandweit ersten Anlage zur Herstellung von Dünger aus menschlichen Ausscheidungen, erforscht. Brandenburg ist nicht nur Land der Bioökonomie und der Energiewende – hier treiben wir auch die Nährstoff- und Sanitärwende voran.“
Christian Mehnert, Geschäftsführer der Kreiswerke Barnim GmbH: „Wenn wir Veränderungen in Umwelt-, Natur- und Ressourcenschutz wollen, müssen wir Möglichkeiten schaffen und Projekte zulassen. Für diese Offenheit neuen Projekten gegenüber steht der Kreiswerke-Verbund.“
Im Reallabor von zirkulierBAR werden künftig zwei Arten von Recyclingdüngern produziert: Aus dem getrennt gesammelten Urin entsteht in der Urinaufbereitungsanlage ein flüssiger Stickstoffdünger, der auch weitere wichtige Pflanzennährstoffe in hoher Konzentration enthält. Dieser mineralische Recyclingdünger ist in Zusammensetzung und Wirkung mit synthetischen Mineraldüngern, die energieaufwändig produziert werden, vergleichbar.
Die Fäzes, welche im neu erbauten Humusregal aufbereitet werden, sind aufgrund ihres hohen Gehaltes an Phosphor sowie an organischer Substanz Grundbaustein für einen Recyclingkompost, der für den Humusaufbau in sandigen oder ausgelaugten Böden besonders gut einsetzbar ist und daher auch als „Humusdünger“ bezeichnet wird.
Die Qualität von Fäkalkomposten wurde bereits in Pflanzversuchen getestet und ist vergleichbar mit anderen qualitativ hochwertigen Komposten.
Ariane Krause, Projektkoordinatorin von zirkulierBAR: „Deutschland braucht eine Sanitär- und Nährstoffwende, damit sanitäre Systeme künftig nicht mehr mit Trinkwasser betrieben werden müssen. Werden unverdünnte Trockentoilettenabfälle adäquat aufgearbeitet, entstehen nicht nur weniger Schadstoffe – es werden auch weniger synthetische Dünger benötigt. Im Koalitionsvertrag hat sich die Ampel zu geschlossenen Stoffkreisläufen und der Anpassung des bestehenden rechtlichen Rahmens bekannt. Jetzt müssen die verantwortlichen Ressorts zusammenarbeiten, um dieses Ziel auch umzusetzen.“
Die neue zirkulierBAR-Forschungsanlage kann jährlich circa 200 Kubikmeter Feststoffe aus Trockentoiletten und 100 Kubikmeter getrennt gesammelten Urin zu Forschungs- und Versuchszwecken aufbereiten. Der Testbetrieb mit wissenschaftlicher Begleitforschung erstreckt sich zunächst über die Jahre 2023 und 2024.
zirkulierBAR ist ein inter- und transdisziplinäres Forschungsprojekt in Eberswalde, im Landkreis Barnim. Kommunen und zukunftsorientierte Unternehmen schaffen hier gemeinsam mit Universitäten und Forschungseinrichtungen ein Reallabor für nachhaltige regionale Kreislaufwirtschaft. Die Vision ist es, Nährstoffe aus verzehrten Lebensmitteln zurückzugewinnen und diese wieder der Landwirtschaft zuzuführen. Das Projekt zirkulierBAR wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme REGION.innovativ.

Autor*in
Katharina Müller
Kathi schwingt seit 2023 an Bord von Finizio die Tasten und kombiniert ihren agrarwissenschaftlichen Hintergrund mit ihrer Leidenschaft fürs Schreiben. Für Finizio darf sie nach Herzenslust über die Themen Kompostierung, Technologieentwicklung, gesellschaftspolitische Tragweite der Sanitär- und Nährstoffwende und Fragen nach gerechtem Zugang zu und Gestaltung von Sanitärinfrastruktur berichten.





